Wilde Möhre – Schönheit am Wegesrand

Daucus carota subspecies carota

Im Hochsommer besiedelt sie zahlreich Wegesränder und Wiesen: die wilde Möhre.

Sie ist eine meiner Lieblingswildpflanzen und jedes Jahr freue ich mich auf’s Neue, wenn ich ihre gefiederten Blättchen im Frühjahr entdecke und sie im Sommer ihre Blüten entfaltet.

Ihre weißen Blütendolden sind filigran und im Verblühen bildet sie etwas ganz Besonderes aus: sie schließt die Dolde schützend um die sich entwickelnden Samen. Bei Insekten ist sie sehr beliebt und für die Raupe des schönen Schwalbenschwanzschmetterlings ist sie neben der kleinen Bibernelle die wichtigste Futterpflanze.


Um ihre Bestäubung zu sichern, wendet sie einen Trick an: in der Mitte der weißen Blütendolde sitzt eine meist schwarze sterile Lockblüte. Diese ähnelt einem Insekt und man vermutet, dass sie andere Insekten dazu anregt, ebenfalls auf der Blüte zu landen. Eine andere Vermutung ist, dass der starke Kontrast zwischen der weißen Blütenumgebung und der schwarzen Scheinblüte in der Mitte die Insekten anlockt und ihnen optisch den Weg weist. Diese dunkle Lockblüte ist jedenfalls ein wichtiges Merkmal, um die wilde Möhre eindeutig zu bestimmen.

Der Name

Der deutsche Name Möhre geht vermutlich auf das althochdeutsche Wort moraha zurück, das mit „Wurzel“ übersetzt wird. In alten Kräuterbüchern trägt die Pflanze auch den Namen Vogelnest – abgeleitet von den nestartigen verblühenden Dolden.
Aus der Wilden Möhre wurde durch Kreuzung mit der violettfarbenen Afghanischen Wildmöhre und mediterrranen Möhren im Laufe der Zeit unsere heutige Kulturmöhre gezüchtet.

Wie sieht sie aus?

Die Wilde Möhre ist zweijährig. Im ersten Jahr bildet sie zunächst eine Blattrosette, mit der sie Nährstoffe sammelt und in ihrer dünnen, pfahlförmigen Wurzel speichert. Im zweiten Jahr schiebt sie einen behaarten, verzweigten Stängel empor, der 30 bis 100 cm hoch werden kann.
Die Blätter sind fein gefiedert und weich behaart. Von Mai bis August (mancherorts bis Oktober) erscheinen die charakteristischen weißen Blütendolden. Ihr sicherstes Erkennungsmerkmal sitzt in der Mitte der Dolde: ein einzelner, dunkel purpurroter bis schwarzer Punkt, gebildet aus einer sterilen Blüte. Nach der Blüte krümmen sich die äußeren Döldchen nach innen, sodass die ganze Dolde wie ein kleines Nest aussieht.
Zerreibt man die Wurzel oder die Blätter zwischen den Fingern, riecht es unverkennbar nach Möhre – ein hilfreiches Zeichen bei der Bestimmung.

Wo wächst die Wilde Möhre?

Die Wilde Möhre ist in ganz Europa, Nordafrika und der Türkei verbreitet. Sie ist genügsam und besiedelt vor allem magere Wiesen, Böschungen, Wegränder und Brachflächen – gerne in größerer Gesellschaft ihresgleichen. Man findet sie bis in Höhenlagen von etwa 1800 Metern.

Zu welcher Familie gehört die Wilde Möhre?

Botanisch zählt sie zu den Doldenblütlern (Apiaceae), einer Familie, in der sich viele Arten sehr ähneln – was Verwechslungen leicht macht. Der Punkt in der Blütenmitte unterscheidet die Wilde Möhre zuverlässig von der giftigen Hundspetersilie, die zudem keine großen, fiederteiligen Hüllblätter besitzt. Andere Vertreter der Doldenblütler, die wir gerne in der Küche verwenden sind z.B. Petersilie und Dill.

Vorsicht bei der Bestimmung!

Wie bei allen weißblühenden Doldenblütlern gilt: nur sammeln, wenn du dir ganz sicher bist. Neben der Hundspetersilie gibt es weitere giftige Doppelgänger in dieser Pflanzenfamilie, z.B. den gefleckten Schierling.. Der Möhrengeruch beim Zerreiben und der dunkle Punkt in der Blütenmitte sind gute Anhaltspunkte, ersetzen aber keine gründliche Bestimmung. Im Zweifel gilt: stehen lassen.

Wirkstoffe

In Wurzel, Blättern und Samen der Wilden Möhre findet man ätherisches Öl, Provitamin A (Carotin), die Vitamine B1, B2 und C, Pektin sowie verschiedene Mineralsalze, v.a. Kalium

Wirkung

harntreibend, verdauungsfördernd, blutzuckerregulierend, leicht entzündungshemmend

Auch die Streifenwanzen mögen die Wilde Möhre: sie saugen an den unreifen Früchten

Signaturenlehre

In der Signaturenlehre sieht man das Streben der Pflanze von außen nach innen als zentrales Ordnungsprinzip: zahlreiche Einzelblüten gruppieren sich um den zentralen Punkt der Lockblüte, beim Verblühen ziehen sich die äußeren Doldenstiele um die inneren Blüten zusammen und bilden ein schützendes Nest.

Von der Firma Ceres gibt es ein Komplexmittel, das aus der Wilden Möhre hergestellt wird. Die Wilde Möhre soll die Konzentration auf die eigene Mitte stärken und unterstützend wirken, wenn die Kräfte zerstreut sind und die Konzentration fehlt.

Wie wird die Wilde Möhre verwendet?

n der Volksheilkunde sammelt man traditionell die im Spätsommer gegrabene einjährige Wurzel, die reifen Früchte (Samen) und die frischen Blätter. Ein Tee aus den Samen gilt volksmedizinisch als harntreibend und verdauungsfördernd, das in der Wurzel enthaltene Pektin wird traditionell bei Durchfall geschätzt. das in der Wurzel ebenfalls enthaltene Inulin kann blutzuckersenkend wirken. Außerdem gibt es Hinweise auf die Anwendung der Wilden Möhre bei Menstruationsbeschwerden und Blähungen.

Wilde Küche

Junge Blätter der Wilden Möhre passen mit ihrem petersilienartigen Aroma gut in Kräuterquark oder ins Salatdressing. Als Suppenwürze schmecken sie gut oder man verwendet sie als eine Zutat in einem Wildkräuterpesto. Ein Grundrezept für ein Wildkräuterpesto findest du in diesem Beitrag über den Löwenzahn. Auch in einem Kräuteröl oder Kräuteressig können sie mit anderen Wild- oder Küchenkräutern gemischt lecker schmecken.

Die weißen Blüten können als eßbare Dekoration zu Salaten oder Gemüsegerichten verwendet werden. Sie verfeinern Wildblütenlimonaden und Sirupe.

Die Wurzel der Pflanze im ersten Jahr kann von September bis ins nächste Frühjahr geerntet werden. Man kann sie kochen, braten oder backen oder Gemüsechips daraus herstellen.

Hast du sie schon probiert?

Zum Weiterlesen:

Fleischhauer, Gutmann, Spiegelberger: Enzyklopädie Essbare Wildpflanzen, atVERLAG

Website der Firma Ceres mit vielen spannenden Pflanzenportraits: ceresheilmitte.de

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